Faq Drucken E-Mail
Benutzerbewertung: / 10
SchwachPerfekt 
Samstag, den 29. November 2008 um 00:00 Uhr


Was ist eine Bandscheibe?


Die Bandscheibe liegt zwischen zwei benachbarten Wirbelkörpern. Sie besteht aus Bindegewebe, aus einem äußeren derben Ring und einem elastischen Kern. Sie trägt dazu bei, dass die Wirbelsäule beweglich und gleichzeitig fest ist.

 

Was ist ein Bandscheibenvorfall?


Jedes Gewebe unterliegt im Alterungsprozess einer Degeneration, so auch die Bandscheiben. Sie verlieren Wasser und werden brüchig. Durch Risse im äußeren Ring kann sich der Kern hinauswölben, oder auch teils heraustreten. Meistens vollzieht sich die Verschiebung nach hinten und seitwärts, wo die Nerven verlaufen. Es handelt sich somit um eine degenerative Erkrankung. Nur sehr selten ist ein Bandscheibenvorfall die Folge eines Unfalls.

 

Wie zeigt sich ein Bandscheibenvorfall (in der LWS)?

 

Durch Druck auf einen oder manchmal auch auf mehrere Nerven entstehen zunächst Schmerzen im Kreuz, die in das Bein ausstrahlen. Des Weiteren können gefühllose Areale im Bein entstehen, eine Minderung der Kraft in entsprechenden Muskelgruppen des Beines, selten auch Störungen der Harnkontrolle, des Stuhlganges und der Potenz. Nachlassen der Schmerzen, falls gleichzeitig eine Muskelschwäche auftritt, ist kein Zeichen einer Besserung (z.B. kann man nicht mehr die Zehen oder den Vorfuß am betroffenen Bein anheben, weil der Vorfußheber keine Kraft mehr hat, oder man kann nicht auf den Zehen stehen). Nachlassen der Schmerzen bei gleichzeitigem Auftreten einer Muskelschwäche bedeutet, dass der Nerv so beeinträchtigt ist, dass er weder die Schmerzen leiten, noch die Muskeln stimulieren kann: der Nerv ist geschädigt.

Deuten alle Schmerzen im Kreuz auf einen Bandscheibenvorfall hin?


Nein. Abnutzungserscheinungen treffen kleine Wirbelsäulengelenke oder Bandscheiben, die keinen Vorfall aufweisen müssen. Solche Schmerzen treten meistens über Jahre hindurch gelegentlich auf und bedeuten nicht, dass der Betroffene einmal einen Bandscheibenvorfall haben wird.

 

Wie stellt man einen Bandscheibenvorfall fest?


Durch eine klinische Untersuchung und durch bildgebende Verfahren. Eine Computertomographie ( CT ) ist die am häufigsten angewendete Methode. Bei einigen Patienten wird auch eine Kernspintomographie oder eine Myelographie angewendet. Die Computertomographie verwendet Röntgenstrahlen. Die Dosis ist für Erwachsene unbedenklich, außer im Falle einer frühen Schwangerschaft. Der Arzt muss darüber informiert werden. Die Kernspintomographie arbeitet mit einem starken Magnetfeld. Dieses ist nicht schädlich, außer für Patienten, die einen Herzschrittmacher, Metallsplitter oder ein Metall-Implantat im Körper tragen. Auch darüber muss der Arzt unbedingt informiert werden. Eine Myelographie wird in bestimmten Fällen durchgeführt, indem durch eine Nadel Kontrastmittel in den Wirbelsäulenkanal gegeben wird und anschließend Röntgenaufnahmen vorgenommen werden. Diese etwas unangenehme Untersuchung ist heutzutage selten notwendig.

 

Muss jeder Bandscheibenvorfall operiert werden?


Nein. Ein großer Teil der Patienten kann durchaus mit konservativer Therapie geheilt werden (Bettruhe für 1 - 2 Wochen mit Medikamenten oder Infusionen). Nach dem Abklingen der akuten Beschwerden sollte eine Physiotherapie durchgeführt werden, womit oft eine lang anhaltende oder auch dauernde Beschwerdefreiheit erzielt werden kann. Falls sich die Schmerzen nicht bessern, oder wieder auftreten, ebenso, falls eine Muskelschwäche, oder gar Störungen der Blasenkontrolle bestehen, sollte operiert werden.

 

Welche operativen Methoden stehen zur Verfügung?


Für die meisten Patienten ist die offene Operation durch einen kleinen Schnitt, die unter dem Mikroskop und mit Mikroinstrumenten durchgeführt wird, die beste Lösung. Einer kleinen Gruppe von Patienten, die eine Vorwölbung der Bandscheibe, also keinen Vorfall haben, kann mit über in Lokalanästhesie eingeführten Nadeln das Volumen der Bandscheibe verkleinert und damit der Druck an dem Nerven verringert werden.

 

Wie verläuft die Operation?


Der Eingriff erfolgt in Allgemeinnarkose Der Hautschnitt wird über der Wirbelsäule vollzogen und ist nur 2 -3 cm lang. Auf der Seite des Bandscheibenvorfalls wird die Rückenmuskulatur über eine kurze Strecke von der Wirbelsäule abgeschoben. Nach Entfernung eines Bandes, welches den Wirbelkanal zur Seite hin abschließt, stößt man auf die Nervenwurzel und den Bandscheibenvorfall. Dieser komprimiert die Nervenwurzel meist sehr stark, so dass sie völlig unbeweglich ist. Unter starker Vergrößerung wird über das Operationsmikroskop der Bandscheibenvorfall abgetragen. Darüber hinaus werden auch alle lockeren Anteile der Bandscheibe im Bandscheibenraum entleert, um das Risiko eines erneuten Bandscheibenvorfalls so gering wie möglich zu halten. Am Ende der Operation ist die Nervenwurzel völlig locker, frei beweglich und entspannt.

 

Was geschieht mit dem entstandenen leeren Raum?


Die Höhe des Bandscheibenraumes wird etwas vermindert. Der Körper füllt den entstandenen Raum mit Narbengewebe. Beides hat üblicherweise keine negativen Auswirkungen.

 

Was kann von der Operation erwartet werden?


Die Schmerzen im Kreuz, die oft schon jahrelang gelegentlich vorhanden waren, können meistens mit einer Bandscheibenoperation gebessert, aber nicht gänzlich beseitigt werden. Die Schmerzen im Bein sollten nach der Operation weg, oder deutlich verringert sein. Die " tauben " Areale am Bein bessern sich relativ bald. Eine zuvor bestehende Muskelschwäche kann sich ebenso rasch bessern, kann aber auch länger weiter bestehen, oder auch zum Teil bleiben. Je länger der Nerv vorher gelitten hat, umso langsamer und unvollständiger kann die Erholung nach der Operation sein.

 

Wie sieht es nach der Operation aus?


Nach der Narkose wird man dank moderner Narkosemittel schnell wieder wach werden. Der Wundschmerz ist selten ein größeres Problem, zumal Sie in dieser Phase auch Schmerzmittel bekommen werden. Aufstehen ist mit Hilfe am gleichen Tag möglich. Duschen ist mit einer durch eine Folie geschützten Wunde (Dusch-Pflaster) postoperativ möglich. Die Schmerzmittel werden schrittweise reduziert, oder abgesetzt. Sie bekommen täglich eine oder zwei Spritzen, die zu einer leichten Blutverdünnung führen, um die Gefahr einer Thrombose zu verringern. Aus diesem Grund werden auch Stützstrümpfe verwendet. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert in der Regel 3-5 Tage. Man verwendet meistens resorbierbare Nähte, in solchen Fällen ist eine Naht-Entfernung nicht erforderlich.

 

Gibt es bei der Operation Komplikationsmöglichkeiten?


Bei jedem Eingriff gibt es mögliche Komplikationen, auch bei diesem. Wenn Ihnen eine Operation empfohlen wurde, dann werden diese bereits gegenüber den bestehenden Beschwerden und dem natürlichen Verlauf Ihrer Krankheit sorgfältig abgewogen. Von der Größenordnung her ist dieser Eingriff eher klein, es kann sich jedoch die Wunde oder der Bandscheibenraum entzünden (um 1%), es kann eine Blutung in der Wunde auftreten, oder es kann sich der Vorfall in der gleichen Höhe wiederholen. Narbenbildung um den Nerven kann sich bei manchen Patienten als störend erweisen und Schmerzen verursachen.

Bei länger bestehenden Schmerzen vor der Operation kann durch den Druck auf den Nerven ein Teil desselben geschädigt sein. So eine im Nerven gelegene " Narbe " kann Restbeschwerden verursachen. Falls bei der Operation eine Öffnung in der Hülle des Nerven entsteht, kann Hirn- Rückenmarkswasser austreten, was unter Umständen Grund für eine nochmalige Operation sein könnte. Es kann eine Instabilität zwischen den benachbarten Wirbelkörpern entstehen oder verstärkt werden, was unter Umständen eine Stabilisations-Operation erforderlich machen könnte.

Schwerwiegende Komplikationen sind sehr selten, weit unter 1: 10000 - Verletzung des Nerven mit Lähmungen von Muskelgruppen, Blasenentleerungsstörungen oder eine Verletzung der Bauchschlagader, die lebensgefährlich sein kann. Im allgemeinen kann man sagen, dass ca. 90% der Patienten ein sehr gutes Resultat haben. Bei den restlichen Patienten handelt es sich meistens um Patienten, bei denen gewisse Restbeschwerden bestehen, verursacht durch Narbenbildung oder durch einen wiederholt aufgetretenen Bandscheibenvorfall.

 

Wie kann Ich die Heilung begünstigen und zu einem guten Resultat beitragen?


Es gibt einige Regeln, die man unmittelbar nach der Operation, mittelfristig und manche auch auf Dauer einhalten sollte.

 

Nach der Operation:

Der Bewegungsablauf beim Umdrehen im Bett, beim Sitzen und Aufstehen wird Ihnen vom Pflege- und Physiotherapie-Personal gezeigt. Es ist notwendig, diesen Ablauf bis 4 Wochen nach der Operation einzuhalten. In dieser Zeit wird der Bandscheibenraum mit Bindegewebe durchwachsen sein. - Vermeiden Sie Bewegungen, bei denen die Wirbelsäule rotiert oder seitlich geneigt wird. Achten Sie besonders darauf, dass beim Umdrehen im Bett oder im Sitzen die Schultern und das Becken in einer Linie bleiben- es muss sich der ganze Oberkörper drehen, nicht nur die Schultern. Wenn Sie auf der Seite im Bett liegen, stützen Sie sich nicht auf dem Ellenbogen ab, weil dadurch die Lendenwirbelsäule stark seitlich geneigt wird. - Sitzen Sie nur für kurze Zeit auf, stehen Sie oder gehen Sie nur kurzfristig und ruhen Sie dann wieder im Bett. Beim Sitzen sollten Sie den Oberkörper gerade halten, und im Stand auf eine gerade Haltung achten, mit gleichmäßiger Belastung beider Beine. Bei der ersten Kontrolle wird die weitere Vorgangsweise mit Ihnen besprochen.

 

Zu Hause:

Es wird der gleiche Bewegungsablauf empfohlen, abwechselnd liegen, sitzen, stehen, gehen, mit schrittweiser Verlängerung der Gehstrecke und der Zeiten, die man sitzen und stehen kann. Autofahren in den ersten 2 Wochen sollte möglichst vermieden werden, da es gewöhnlich Schmerzen auslöst. Als Beifahrer sind Sie weniger schmerzgefährdet, es sollten aber keine längeren Strecken zurückgelegt werden. - Beim Ankleiden sollte ein Vorbeugen des Oberkörpers vermieden werden, indem z.B. Socken, Strumpfhosen, Hosen auf dem Rücken liegend angezogen werden. Lasten, die schwerer als ein paar Kilogramm sind, sollten nicht gehoben oder getragen werden. Beim Heben die Knie voll durchbeugen, mit geradem Rücken, dabei die Last möglichst nahe am Körper halten. Beim Tragen sollte die Last möglichst gleichmäßig auf beide Hände verteilt werden. Es ist keine sexuelle Abstinenz notwendig - Nach 4 Wochen können Sie im ebenen Gelände Rad fahren ( kein Sportrad ). Rückenschwimmen im warmen Wasser können Sie ebenso ausführen. Sportarten, bei denen die Lendenwirbelsäule ruckartigen Bewegungen ausgesetzt, oder stark beansprucht wird, sollten Sie für 2 Monate aussetzen z.B.: alpinen Skilauf, Tennis, Fußball, Wind-Surfen, einen Teil des Krafttrainings usw.

 

Krankenstand:

4 bis 6 Wochen (Je nach körperlicher Beanspruchung). Was Sie jedoch weiter berücksichtigen sollten, ist die so genannte Rückendisziplin. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Verhaltensweise, bei der die Rückenmuskulatur durch gezielte, regelmäßige Übungen gestärkt wird, was der Wirbelsäule den besten Schutz gewährleistet. Diese Übungen erlernen Sie bei der Physiotherapie. - Sie sollten Fehlhaltungen vermeiden. Beim Sitzen den Rücken gerade halten, den Bauch einziehen. Beim Stehen beide Beine gleichmäßig belasten, Rücken ebenso gerade halten. Nicht auf sehr weicher Unterlage oder in einem Bett schlafen, das eine Mulde in der Mitte bildet. Wenn möglich, liegend ausruhen. - Sie sollten beim Heben von Lasten sehr auf die schon beschriebene Haltung achten.

 

Welche Symptome treten bei einem Bandscheibenvorfall auf?


Nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht zwangsläufig Beschwerden (Rückenschmerzen). Treten allerdings im Rahmen eines Bandscheibenvorfalles Beschwerden / Symptome auf, so sind sie vor allem auf die Verlagerung des Gallertkernes zurückzuführen, der auf einzelne Nervenwurzeln, auf Nervenfaserbündel (im Bereich der Lendenwirbelsäule) und / oder das Rückenmark drückt.

Nachfolgend soll auf die Symptome eingegangen werden, die durch Druck auf die verschiedenen Bereiche ganz unterschiedlich ausfallen können.

-Ein scharfer ins Bein ziehender Rückenschmerz (Lumboischialgie), der häufig bis in den Fuß einstrahlt. In den meisten Fällen
liegt bei einer Lumboischialgie jedoch eine harmlosere Ursache zugrunde.

  • Schmerzverstärkung durch Niesen , Husten oder Pressen.
  • Die Schmerzen im Bein überwiegen den Rückenschmerz.
  • Es bestehen Missempfindungen (Parästhesie; z.B. Kribbeln, Ameisenlaufen) oder Minderempfindungen (Hypästhesie; z.B. „als wenn der Fuß in Watte eingepackt wäre“ oder "Taubheitsgefühl") im Bereich der Beine.
  • Es bestehen Lähmungen oder ein Kraftverlust bestimmter Muskelgruppen (erschwerter Zehen- oder Hackenstand).
  • Verlust der Kontrolle für Wasserlassen oder Stuhlgang (Inkontinenz).


Symptome bei Druck gegen eine Nervenwurzel:
Druck auf Nervenwurzeln löst stets intensive Schmerzen aus, die in Arme und / oder Beine hinein ausstrahlen können. Mit diesen starken Schmerzen können auch Gefühlsstörungen auftreten, man spricht von: Ameisenlaufen, Kribbelgefühl, Taubheit. Je nach Stadium und Ausmaß der Erkrankung können Symptome auch die Minderung von Muskelkraft oder gar Lähmungen einzelner Muskelbereiche zur Folge haben.

Symptome bei Druck gegen das Rückenmark:
Je nach Lokalisation des Bandscheibenvorfalles, variieren die Symptome. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Brustwirbelsäule können Gefühlsstörungen, Krämpfe (Spasmen) oder gar Lähmungen hervorrufen, wohingegen ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule beispielsweise Blasenlähmungen hervorrufen kann. Auch Lähmungen der Beinmuskulatur sind möglich.

Symptome bei Druck gegen Nervenfaserbündel, den Pferdeschweif (Cauda equina):
Fehlende Beherrschung der Blasen- und Mastdarmfunktion, Sensibilitätsstörungen im analen und / oder genitalen Bereich Innenseite der Oberschenkel, unter Umständen verbunden mit einer Lähmung der Beine.

Viele weitere Tipps zum Verhalten nach der Operation finden Sie in unserem Leitfaden!

Alle weiteren Fragen beantworten wir Ihnen gerne im Forum!

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. Januar 2010 um 01:42 Uhr