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Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 14. Dezember 2009 um 08:34 Uhr

 

Bandscheibenvorfall
Bandscheibenvorwölbung
– und was nun? –

Bandscheibenvorfall mittig

Mittiger Bandscheibenvorfall,
der auf das Rückenmark drückt

Der Bandscheibenvorfall (Prolaps), oder auch die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion), trifft uns meistens aus heiterem Himmel und ist in der Plötzlichkeit mit einem Unfall zu vergleichen.

Warum ich?  Was ist genau in der Wirbelsäule passiert und warum tut das so weh? Werde ich wieder gesund? Was sollte und kann ich selber dagegen machen?

 

Der gleiche Bandscheibenvorfall
durch das Neuroforamen gesehen

Viele Fragen, die nach Antworten verlangen! Sicherlich besteht eine der ersten Reaktionen auf eine solche Schmerzattacke nach einem Bandscheibenvorfall darin, dass wir nach einer körperlichen Stellung suchen, in der die Schmerzen erträglich sind, die so genannte Schonhaltung. Der eine kann nur noch in einem 45 Grad-Winkel nach vorne übergebeugt laufen, der andere dreht sich seitlich weg und/oder zieht ständig ein Bein nach, alles Folgen eines Bandscheibenvorfalls oder Protrusion. Diese Schonhaltung ist  unserem Genesungsverlauf überhaupt nicht förderlich, da wir uns dann unnormal verhalten und bewegen. Dadurch werden unsere Muskeln extrem einseitig belastet. Das führt auf Dauer gesehen zu einer Verspannung oder Verkümmerung des gesamten Bewegungsapparates. Man gerät schnell in einen Teufelskreis, der aus Schmerzen – Schonhaltung – Schmerzen besteht und den es gezielt zu durchbrechen gilt. Daher ist sobald wie möglich eine Schmerztherapie (bestehend aus Medikamenten und physikalischer Therapie) empfehlenswert, damit man schmerzfrei wird und mit Hilfe einer gezielten Krankengymnastik so schnell wie möglich für ein solides Muskelkorsett im Bauch- und Rückenbereich sorgen kann. Nur so wird die geschädigte Wirbelsäule dauerhaft entlastet und weitere Schädigungen können vermieden werden.

Warum Ich?

Diese Frage lässt sich nicht mit Bestimmtheit beantworten. Die von Medizinern heute noch geäußerte Behauptung, dass es hauptsächlich nur dicke Menschen trifft, lässt sich nicht halten, da genau so auch dünne Menschen eine Protrusion oder einen Bandscheibenvorfall bekommen. Auch, dass es nur ältere Menschen trifft, widerlegen die Fälle im Alltag.

Zu den Risiken zählen zum Beispiel Rauchen, Übergewicht, falsche, bzw. schlechte Ernährung, einseitige Bewegung, Überbelastung, zu wenig, aber auch falsch betriebenen Sport, Stress.
Wie immer, gibt es gute Beispiele dafür, dass es auch Menschen trifft,  die alle obigen erwähnten Risiken ausklammern können.

 

Was ist denn überhaupt passiert und warum tut das so weh?

Dazu muss man sich zunächst einmal unseren Haltungsapparat anschauen. Unsere Wirbelsäule besteht aus den knöchernen Wirbelkörpern, dazwischen liegen die Bandscheiben. Diese wirken wie Gelenke und Puffer zugleich und ermöglichen uns durch die Muskeln Bewegungen in alle Richtungen. Die Bandscheiben bestehen aus einem gallertartigen Kern (Nucleus pulposus), ähnlich erkalteter Gelatine. Diese wiederum werden durch einen äußeren Gürtel, dem Bandscheiben-Faserring (Annulus fibrosus) umlaufend gehalten.  Wird nun dieser Ring geschwächt und gibt in seiner Gesamtheit nach, wölbt sich nach außen, so sprechen wir von einer Protrusion (Bandscheibenvorwölbung). Reißt dagegen der Ring, so tritt ein Teil des Kerns durch den Ring nach außen in den Wirbelkanal. Dies nennt man dann Prolaps (Bandscheibenvorfall).

Im Zentrum unserer Wirbelsäule befindet sich der Rückenmarkkanal. In diesem verlaufen wiederum unsere Nervenstränge, welche zwischen den knöchernen Wirbelkörpern austreten und die Muskulatur, z.B. die Gliedmassen, mit „Information“ versorgen. Je nach Schwere und Verlauf von Bandscheibenvorwölbung oder Bandscheibenvorfall hat sich der Bandscheiben-Kern aus dem Faserring gelöst und drückt einen Teil der Bandscheibe auf diese Nerven. Das verursacht die Schmerzen, die bis in die Arme (wenn ein Schaden der HWS vorliegt),die Beine (Schaden in der LWS) oder gar Herzschmerzen (Schaden in der BWS) spürbar sind. Je nachdem, auf welcher Etage der Wirbelsäule der Bandscheibenvorfall auftritt, spürt man bestimmte Schmerzbahnen innerhalb der Arme und Beine. Beispielsweise kann ein Bandscheibenvorfall im Segment L5/S1 kräftige Schmerzen im Gesäß und an der Außenseite eines Beines verursachen. Zu den Schmerzen kann dann noch ein Kribbeln kommen, was man auch „Ameisenlaufen“ nennt, weil es sich entsprechend anfühlt. Auch Lähmungen in Beinen oder Armen oder Teilen davon, können vorkommen. Dieses ist erklärlich, wenn man sich einen abgeknickten Wasserschlauch vorstellt – es kommt kein Wasser mehr aus dem Schlauch. So verhält es sich auch mit unseren Nerven, wenn diese abgedrückt werden, da sie  die Befehle aus dem Gehirn an die entsprechenden Muskeln nicht mehr weitergeben können.

Wirbelsaeule


Werde ich wieder gesund?

Einen Bandscheibenvorfall kann man zwar relativ gut durch Therapien langfristig  „in den Griff“ bekommen, aber es bleibt immer eine „Sollbruchstelle“ im Körper. Anders als bei einem gebrochenen Arm, lässt sich eine ausgetretene Bandscheibe nicht so komplikationslos „flicken“. Man muss mit viel Geduld lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Wenn man einige Verhaltensregeln in seinem Alltag beachtet, dann geht das auch sehr gut.

Sehr wichtig: Heben und Tragen von schweren Lasten sowie langes, ununterbrochenes Sitzen oder Stehen sollte zukünftig unterlassen werden. Auch sollte auf die eigene Körperhaltung immer wieder geachtet werden. Mit dem stetigen Aufbau der (tiefen) Rücken-, Bauch- und Gesäßmuskulatur sollte man niemals aufhören, denn wenn man erst mal ein gutes muskuläres Stützkorsett erarbeit hat, muss es auch erhalten werden. Muskeln bauen schnell ab, wenn sie nicht genutzt werden!

Tipps und „moralische Unterstützung“ für das Leben mit einem Bandscheibenvorfall gibt es auch im Leitfaden und im  Bandscheibenforum hier auf der Homepage, in Buchform im Handel und auch im Internet.

 

Was sollte und kann ich selber dagegen machen?


Das wichtigste ist zunächst, die innere Ruhe trotz der „Schmerzplage“ zu behalten. Ein Bandscheibenvorfall ist keine lebensbedrohliche Erkrankung und wenn keine neurologischen Ausfälle (z.B. Blasen- und/oder Mastdarmstörungen bzw. dauerhafte motorische Ausfälle der Gliedmassen) bestehen, dann besteht kein zwingender operativer Handlungsbedarf.

In der Akutphase ist die o.g. Schmerztherapie angebracht und sobald wie möglich, sollte man unter krankengymnastischer Aufsicht mit leichten, schmerzfreien Bewegungen beginnen (z.B. die „Grundspannung“ halten, eine Übung, die auch im Bett geht!).

Heute vertreten die Mediziner die Meinung, dass es vollkommen falsch ist, einem Bandscheibenvorfall oder einer Bandscheibenvorwölbung mit wochenlanger, absoluter Ruhe zu begegnen.

Sind die Schmerzen abgeklungen, so sollte man mit Krankengymnastik (gezieltem Kraftaufbau), Massagen (vorsichtig und mit Abklärung des Therapeuten), Muskelaufbautraining, Rückenschule etc. beginnen. Hier gilt: ebenso, was keine Schmerzen verursacht, kann gemacht werden. Jeder Patient ist dabei sein eigner „Therapeut“, denn wenn man in den Schmerz „hineinarbeitet“, rächt sich dies unter Umständen später mit stärkeren Schmerzen.

Leider ist es so, dass alle Maßnahmen (Training, rückengerechtes Verhalten im Alltag oder Operation) nicht der Garant dafür sind, dass ein erneuter Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung nie wieder vorkommt.

Weitere Informationen zu unserer Krankheit und dem Leben als Bandi bekommt Ihr hier im Bandscheibenforum.

Hier schreiben sowohl Betroffene, als auch Interessierte. Wir wollen unsere Erfahrungen weitergeben und uns mit dieser „Online-Selbsthilfegruppe“ eine Schnittstelle zwischen der Beratung durch Ärzte und dem Alltagsleben schaffen.

Wer seinen CT- oder MRT-Befund auch mal verstehen möchte, dem sei unser Lexikon ans Herz gelegt. Dort sind die meisten Fachbegriffe rund um den Bandscheibenvorfall erklärt.

Die für Euch brennendsten Fragen zum Bandscheibenvorfall haben wir in unserer FAQ für Euch zusammengefasst.

Neue Mitglieder, Beiträge und Anregungen sind jederzeit herzlich willkommen!

 

Quellen: Pschyrembel; Lexikon Medizin und Gesundheit
Autor: diebandscheibe.de


Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. Mai 2013 um 10:00 Uhr