Bandscheiben-Forum

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> OP mit Peek-Imtlantat C6/7, Erfahrungsaustausch benötigt
ischias
Geschrieben am: 19 Feb 2005, 11:19


Stammgast
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Mahlzeit!

Op von hinten (dorsale Foraminotomie) ist die ältere und früher gebräuchliche Methode für seitliche Vorfälle, d.h. für solche, die seitlich des Rückenmarks liegen und den dort austretenden Nerven ärgern.
Op von vorn (ventrale Discektomie mit anschließender Fusion) ist mittlerweile auch etabliert, die WS-/Neurochirurgen haben die Angst davor verloren. Mit diesem Zugang lassen sich sowohl seitliche als auch mittig gelegene Vorfälle gut entfernen.

-> Wenn also ein Vorfall mittig liegt, d.h. nur von vorne erreicht werden kann, bietet die Foraminotomie keineswegs eine Alternative sondern ist eher kontraindiziert. Irgendwas mit um das Rückenmark herum operieren, Umgehungsstrasse oder ähnlichen Metaphern ist also Kapppes!
-> Die dorsale Foraminotomie wird heute nur noch von relativ wenigen Operateuren sicher beherrscht (zumindest in Deutschland), deswegen würde ich mal meinen, daß wenn sich tatsächlich beide Zugänge als gleichwertig anbieten, die Entscheidung gegen die Foraminotomie auch etwas mit der Erfahrung des Operateurs mit diesem Verfahren zu tun hat...

Risiko: Das mit dem "Vorhang" den man beim Zugang von vorne rafft, ist nicht ganz verkehrt. Nicht unerwähnt sollte jedoch bleiben, woraus dieser Vorhang besteht; Luft- und Speiseröhre, Schilddrüse, Stimmbandnerven, Halsschlagadern (Arterie und Vene) zu/aus dem Kopf, der Große "Eingeweidenerv" /N.vagus). Und da hat man gerade erst die Halswirbelsäule erreicht!! Bei der immer notwendigen Entfernung der betreffenden Bandscheibe werden immer auch knöcherne Anbauten entfernt und man hat stets das Rückenmark vor Augen (Oops, da ist mit grad die Fasszange abgerutscht!). Wenn zu viel Knochen entfernt wird, kann das Implantat später in den Knochen einbrechen, die Neuroforamen werden enger und da ist er wieder der Nervenschmerz im Arm, den im Nacken kann es dann natürlich genauso geben.

Beim Zugang von hinten werden je nach Statur der Patienten über 10 (!!) cm Muskulatur von ihren Ansatzstellen an der Wirbelsäule abgelöst. So richtig funktionell erholen tut sich dieser Muskel tatsächlich eher selten. Wahrscheinlich hat auch die hintere Muskulatur mehr stabilisierende Wirkung auf die HWS, als die Bandscheibe. Zumindest bleibt diese aber beim Eingriff von hinten erhalten!! Und ähnlich gravierende Risiken wie bei der ventralen Op fallen mir im Moment nicht ein.

Trotzdem ist der Eingriff von vorne in der Regel ziemlich komplikationsarm, trotz der Panikmache weiter oben ;-) Und die dorsale Foraminotomie schneidet in mehreren Studien, was die Langzeitergebnisse angeht sicherlich schlechter ab!
Wie auch immer, ein Vorfall z.B. bei HW7/Th1 kann häufig gar nicht von vorne erreicht werden ohne das Brustbein zu spalten, ein Stiernacken bietet sich nicht zur Op von hinten an.


PEEK vs. Titan vs. Palacos;
Palacos ist wohl mittlerweile genauso alt (und obsolet), wie die Foraminotomie. Genauso, wie die Op kann es natürlich noch Situationen geben, wo dieses Material indiziert ist, so z.B. im Rahmen von Wirbelkörperentfernungen bei Krebsbefall. Palacos kann -wenn auch selten- vom Körper vollständig resorbiert werden und ist im Vergleich zu zeitgemäßen Verfahren relativ aufwendig zu handhaben. Allerdings ist es um ein vielfaches billiger, und das ist wohl der einzige Grund, warum es in der WS-Chirurgie noch eingesetzt wird.
PEEK ist ein Kunststoff (Polyetheretherketon) und soll gewisse elastische Eigenschaften haben, die dem Titan als bio-inertem Metall fehlen. Inwieweit bei PEEK der Knochen in das Implantat einwächst, wie es bei Titan behauptet wird weiß ich allerdings nicht.

Ich wünsche ein gutes Händchen bei der Entscheidung (die letztendlich immer der Operateur stellen sollte). Das wichtigste jedoch zum Gelingen einer Op, egal wie und womit ist die korrekte Indikationsstellung und natürlich die fachgerechte Durchführung.

"schlaumeiermodus off"

ischias

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manfred c67
Geschrieben am: 21 Feb 2005, 01:10


Neu hier
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Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank für Eure Beiträge. Es hat mir sehr geholfen. Am Dienstag den 22.02.05 gehe ich ins Krankenhaus und werde nochmal untersucht. Am Mittwoch ist dann die OP. Drückt mir die Daumen, dass alles gut verläuft. Der Termin kam sehr schnell zustande, weil ich teilweise Lähmungen im rechten Arm habe, und weil ich seit Anfang Februar eine neue Arbeitsstelle habe. Normalerweise wären die OP-Termine erst wieder im August. Irgendwie Glück gehabt :up . Die umfangreiche Information hier auf den Pages hat mich nachdenklich gemacht. Ich sehe jetzt einige Fehler in meiner Motorik, die mir bisher nicht bewußt waren. Ich habe meine Bandscheiben eindeutig überlastet, und dass ohne es zu wollen. Es sind anerlernte Verhaltensmuster, die sich in der Motorik wiederspiegeln. Aber ich verspreche meinen Bandscheiben mich zu bessern. Seitdem ich bewußt auf meine Bewegung und der Belastung auf meine Bandscheiben achte, das ist jetzt 3 Tage her, spüre ich eine Besserung im LW und im HWS Bereich. Sobald man aber nachlässig wird, kommen die alten Muster wieder zum Vorschein. Es ist wirklich harte Arbeit. Jede Bewegung ist bewußt, wie im Tai Chi. Aber die Bandscheibe ist defekt, und ich glaube es ist der richtige Weg. Ich werde euch weiter berichten, wie es mir ergangen ist. Vielleicht habe ich noch den einen oder anderen Tip für euch.

Vielen Dank für jede Anwort.

Manfred
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Angel56
Geschrieben am: 21 Feb 2005, 08:35


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Hallo Manfred

Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem schmerzfreiheit bei deiner OP.

Zu dem Peekimplantat kann ich dir leider garnichts sagen, da ich selber auch mit einem Pallakoskos Dübel versteift bin.

Liebe Grüße
Angelika :winke
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Conny7
Geschrieben am: 21 Feb 2005, 12:56


Öfter dabei
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Hallo Manfred,
ich drücke dir die Daumen für deine OP und brenne auf neue Berichte.
Toi,toi,toi.
Kornelia
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Bobbylein
Geschrieben am: 21 Feb 2005, 16:04


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Hallo Manfred!

Meine persönliche Meinung: Ich würde mich nicht operieren lassen, denn die bewußte Haltungsänderung hat schon Schmerzverbesserung gezeigt. Vielleicht bist du noch nicht austherapiert?
Was hast du denn bisher gegen den BSV getan? Was nimmst du zur Zeit an Medikamenten?

Trotzdem wünsche ich dir viel Erfolg bei der OP! laß uns wissen, wie es dir ergangen ist.

Gruß Bobby
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Karolina
Geschrieben am: 21 Feb 2005, 20:43


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Hallo Manfred,

ich bin HWS/BWS´lerin und mein Bandscheibenvorfall C5/6 wurde im Oktober 2004 durch eine Fusion mit Carbon-Cage von vorne operiert.

Ich musste danach 6 Wochen Tag und Nacht eine Halskrause tragen diese wurde dann langsam abtrainniert.

Heute nach ein paar Monaten würde ich sagen, es geht mir gut. soweit ich es beurteilen kann, denn ich muss aufgrund meiner weiteren Bandscheibenschäden in der BWS sehr starke Medis einnehmen.

Die Schmerzen nach der OP waren sehr gut aushaltbar und ich würde es sofort wieder machen lassen. Meinen Arm kann ich heute auch wieder voll bewegen und das Taube Gefühl in den Fingern ist verschwunden.

Sicherlich habe ich heute noch so meine Wehwehchen.......aber sonst geht es mir gut.

Wenn du noch speziell etwas wissen möchtest, kannst du mich gerne anschreiben.

Grüße aus Franken sendet dir Karo :winke
PM
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Kakadu
Geschrieben am: 24 Feb 2005, 13:43


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QUOTE (manfred c67 @ 18.02.2005, 12:22)
habe ich einen BSV im HWS zwischen C6/7. Der erste Neurochirurg wollte mich direkt operieren, erst von vorne, und nach dem MRT meinte er es wird nur eine kleiner Eingriff von hinten, dabei wird nur das Bandscheibengewebe entfernt und die Nervenwurzel freigelegt. (Zur Info: Der Arzt hat ein Institut, also Firmeninhaber und umsatzpflichtig). Der zweite und meiner Meinung nach kompetentere, riet mir auch zu einer OP, allerdings von vorne. Das schockte mich zuerst. Aber er erklärte mir nachvollziehbar, dass eine OP von hinten ein größeres Risiko mit sich bringt, weil man um das Knochenmark herum operieren müßte. Außerdem würde wesentlich mehr an Muskeln verletzt. Nur das wegschneiden der Bandscheibenmasse würde er auch nicht empfehlen, weil es später weitere Komplikationen gäbe. Die Stabilität der Wirbel wäre nicht gegeben. Also riet er mir zu einem Implantat aus Peek oder Titan. Er empfahl mir Peek.

Wer kann mir eventuell mit Rat zur Seite stehen ?

Halten Peek Implantate wircklich ein Leben lang (so der Chirurg) ?
Wenn ich mich hier informiere, so werden mit diesem Peek-Cage doch die Wirbel verteift. Der Chirurg sagte mir, dass alles frei beweglich bleibt. ???
Wer hat schon Erfahrung mit Peek im HWS Bereich ?


Halli-Hallo! :winke

Ich wurde wegen BSV C5/6 und entsprechender Instabilität in diesem Segment im August 03 operiert. Es wurde ebenso von vorn die Bandscheibe komplett ausgeräumt und mit Peek-Cage versteift. Ich bin sehr zufrieden.Das versteifte Element ist nun endlich so stabil, daß die Wirbel nicht mehr hin- und herutschen und der Druck ist von den Nerven weg. Bin seit ca.1/2 Jahr so gut wie beschwerdefrei. Ich bin froh, daß die OP gemacht wurde. Ein niedergelassener Neurochirurg hat sie durchgeführt.

Das Segment ist zwar versteift, aber das merke ich beim Bewegen des Kopfes nicht. Es ist fast, als wäre an dieser Stelle nie was passiert. Bin froh, daß es gemacht wurde. Von dem Fremdkörper merke ich 0,nichts - gar nichts! Der Zugang von vorne ist besser, da können sie die Nerven und das Rückenmark nicht so leicht verletzen und es müssen keine Nackenmuskeln durchtrennt/ verschoben werden. Hört sich vorher alles schlimmer an, als es ist. Ich würde es auf jeden Fall wieder machen lassen. Aber Du musst Dich unbedingt die ersten drei Monate nach OP schonen und nicht schwer tragen. Dann wird alles gut! :up

Vertrau dem Arzt, er kann Dir sicher helfen. Im übrigen habe ich gerade vor 1,5 Wochen einen Vortrag darüber besucht. Dr. Richter aus Ulm (den kennen vielleicht einige hier..) leitet bei uns das neue Wirbelsäulenzentrum. Er hat ja einen sehr guten Ruf und hat gesagt, daß eine Versteifung bei HWS-OP's meist die langfristig bessere und sicherste Wahl ist.


Viel Glück und alles Gute wünscht Kakadu
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