MRT-Kriterien Drucken E-Mail
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Dienstag, den 12. Februar 2008 um 00:00 Uhr






MRT-Bilder, was es zu beachten gilt

Grundsätzliches:

Zur sicheren Diagnose in der Wirbelsäule, sollte man auf MRT (MagnetResonanzTomographie), auch Kernspintomographie genannt, bestehen.

Das Verfahren beruht auf der Differenzierung zwischen verschiedenen Wassergehalten in versch. Körperteilen (z.B. Knochen/Gewebe) zur Bildgebung und nicht, wie z.B. Röntgen oder CT (Computertomographie) auf der Darstellung unterschiedlicher Materialdichten durch Röntgenstrahlen.

Von einer CT ist auch wegen der hohen Röntgenbelastung abzuraten, es ist nur angezeigt bei Personen, die keinem Magnetfeld ausgesetzt werden dürfen, also z.B. Schrittmacherpatienten.

Da eine MRT präzise Schnittdarstellung der Wirbelsäule erlaubt, hängt die Qualität der Aufnahmen sehr stark von den Geräten und der Gerätebedienung ab, hierzu gleich mehr.

Übrigens ist es nicht immer sinnvoll, zu jenem Radiologen zu gehen, zu dem man vom Orthopäden geschickt wird, besser mehrere anrufen und kritisch fragen.
Warum es oft eine "gute Zusammenarbeit" zwischen einem Orthopäden und einem Radiologen gibt, darüber schweige ich an dieser Stelle besser.

1.Geräte

Es sollte auf jeden Fall ein MRT mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla sein, keines mit 1,0 oder noch geringerer Feldstärke.

Die Feldstärke erkennt man meist an der Gerätebezeichnung der drei führenden Hersteller:

SIEMENS:

Hier heißt das richtige System Magnetom Symphony 1,5T, ältere Geräte mit 1,0 T heißen Magnetom Harmony 1,0

Philips:

Hier heißt das System generell Intera, jeweils ergänzt durch den Zusatz 1,5T oder 1,0T, also genau nachfragen.

General Electric (GE)

hier heißen beide Systeme Signa Infinity auch mit dem Zusatz 1,5T oder 1,0T

2. Bedienung

Wenn wir also einen Radiologen gefunden haben, der über ein 1,5T Gerät verfügt, (eigentlich die meisten Radiologen), können wir hinsichtlich der Durchführung auf folgendes achten:

Falls Sie Platzangst bekommen, kann Sie die Bedienkraft vor der Untersuchung mal probehalber rein- und herausfahren, das baut Angst ab. Es gibt auch Praxen, die während der Untersuchung Brillen anbieten, mit denen Sie aus der Röhre herausschauen können (Prisma). Ansonsten vorher fragen, ob Sie ein kräftiges Beruhigungsmittel bekommen, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Gleiches gilt für Schmerzmittel, wenn Sie nicht 30 min still liegen können.

Die Matrix, also die Auflösung in der die Aufnahmen erstellt werden, sollte mindestens 320x320 betragen, besser 384x384 und ein in etwa quadratisches Verhältnis haben (also z.B. auch 372x384). Eine Matrix 256x512 klingt zwar toll, bringt aber keine guten Aufnahmen, geht dafür aber sehr schnell, damit der Patientendurchsatz höher wird.

Bei Patienten, die bereits an der Bandscheibe operiert wurden, sollte zusätzlich mit Kontrastmittel (in die Vene gespritzt) untersucht werden um eine entsprechende Aussagekraft zu erhalten.

Die sagittale Schichtung (d.h. der Längsschnitt durch die Wirbelsäule) sollte in T2 normal und T2 fettunterdrückt ausgeführt werden. Sagittalschnitt in T1 ist nur sinnvoll ergänzend, wenn mit Kontrastmittel untersucht wird.

Die tranversale Schichtung (also die Querschnittdarstellungen durch die Wirbelsäule) muss in jedem Bandscheibenfach durchgeführt werden, und zwar in T1 und T2 gewichteten Sequenzen.
also in der HWS: von C2/3 bis C7/Th1, in der BWS von C7/Th1 bis Th12/L1 und in der LWS von von Th 11/12 bis L5/S1. Alles andere wäre am Ziel vorbei :-)

Die übliche Praxis ist leider, dass während der Untersuchung im Längsschnitt schnell nach BSV geschaut wird, und man dann nur im betroffenen Fach eine Schnittdarstellung macht.
Geht schön schnell, birgt aber die Gefahr, dass extraforaminale BSV (die im Längsschnitt oft nicht zu sehen sind) oder Stenosen übersehen werden.

Ergänzende Info: Die Vergütung für den Radiologen ist übrigens die gleiche, egal wie viele Schnitte im betreffenden WS-Segment darstellt werden.

Also: gründlich Ebene um Ebene und, jetzt kommt gleich die nächste Hürde, nicht im Blockbild, sondern individuell Einzelschichten legen.

 

>>>>>MRT-Bilder<<<<<

Blockbild heißt folgendes: Die Anlagenbedienerin bekommt zunächst den Längsschnitt (sagittal) der Wirbelsäule dargestellt. Dann klickt sie mit der Maus auf jene Segmente, in denen sie Schnittlinien legen möchte, genau an dieser Stelle produziert das Gerät dann eine Querschnittdarstellung (transversal). Die Lage der Schnittebene kann mit der Maus variiert werden.
Blockbild: Obere Linie festlegen, untere Linie festlegen, den Rest macht der Computer, der reiht alle anderen Schnittlinien parallel zu den vorgegebenen Linien ein. Da die Wirbel jedoch naturbedingt nie parallel zueinander stehen, gibt es keine sauberen Bilder in der Bandscheibenebene, sondern "schiefe Schnitte".

Einzig als Ergänzung der o.g. Aufnahmen hat Blockschichtung eine Berechtigung, dann jedoch nur für spez. OP-genutzten Aufnahmen bei Stenosen.

Einzelschichtung: Hier macht sich die Bedienkraft die Mühe, jede Schnittlinie "von Hand" genau in die Ebene der Bandscheibe zu legen - der einzig sinnvolle Weg.

Wenn dann noch eine Myelographie gemacht wird, eine 3-D Darstellung des Spinalkanals,
sind schon gute Diagnosevoraussetzungen gegeben.

Bei der Gelegenheit gleich mal nachfragen, ob die Darstellungen auf Folie (muß sein!) oder nur auf Papier ausgedruckt und mitgegeben werden.
Sehr schön, wenn man die Aufnahmen auch noch zusätzlich auf CD mitbekommt, dann bitte im DICOM-Format, das "verschluckt" keine Qualität und ist international genormt.

War doch ganz einfach, oder? Wird das MRT nach diesen Regeln  durchgeführt, können Sie sicher sein, auch ein brauchbares MRT in Händen zu halten und die weitere Behandlung ist gesichert.



Also hier noch einmal die Checkliste fürs Telefon:

1. MRT, nicht CT

2. MRT mit 1,5 T Feldstärke

3. Beruhigungs-/Schmerzmittel verfügbar (auch damit die Aufnahme nicht verwackelt)

4. ggf. Kontrastmittel bei Vor-OP? (Allergie/Unverträglichkeit ansprechen)

5. sagittale Schichtung in T2 normal und T2 fettunterdrückt

6. transversale Schichtung in jedem Bandscheibenfach und zwar nicht als Blockbild
sondern als Einzelschichtung in T1 und T2 gewichteten Sequenzen

7. Myelographie?

8. Ausdruck auf Folie

Und ergänzend: wie lange ist die Verweilzeit in der Röhre, alles unter 25 min ist
verdächtig.

 

Thema im Forum

Quelle: Patienten-Informationen
Autor: diebandscheibe.de

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 19. Februar 2010 um 16:07 Uhr